
Das Azorenhoch ist uns allen ein Begriff. Doch was für eine Inselgruppe dahinter steckt, ist für die meisten noch unbekannt. So auch für mich. Da ich mich grundsätzlich nicht auf eine Reise vorbereite, weil ich mich lieber überraschen lasse, hatte ich keine genauen Vorstellungen von dem, was mich erwartete. Und das war auch gut so, denn ich merkte schnell, dass einige meiner Mitreisenden sich mehr erwartet hatten. Wenn man auf touristische Orte wie auf den Kanaren oder den Balearen, der war schnell enttäuscht. Die Azoreaner sind noch nicht dem Tourismuswahn verfallen, und so sind die Orte allesamt noch in ihrem ursprünglichen Zustand: klein, einfach, ohne große Einkaufsmöglichkeiten, dafür aber umso authentischer. Vor allem der fahrende Händler, dem wir überall mit seinem mit allen möglichen Dingen vom Kleid bis hin zum Küchensieb voll beladenen Auto und lauter Musik aus einem Lautsprecher oben auf dem Auto begegnet sind, hast mich doch sehr begeistert.

Die kleinen Straßen in den Orten - denn mehr sind sie nicht, Ponta Delgada auf San Miguel ist die größte Stadt mit knapp 65.000 die einzige größere Kommune - sind eher verlassen, aber sie laden ein zum Spazierengehen und entdecken: Vor allem die großartigen, in die Wand eingelassenen Heiligenfiguren auf Fliesen, die an jedem Hauseingang den Besucher begrüßen, haben meine Aufmerksamkeit gefesselt. An der Architektur, vor allem den unvermeidlichen Kirchen, konnte man die Nähe zu Portugal, zu der die Inselgruppe gehört, spüren. Definitiv portugiesische Architektur lachte von Simsen und Dächern.
Für meine Mitreisenden boten die Azoreninseln erst einmal einen ernüchternden Anblick. Denn sie alle hatten mit einem Blumenmeer gerechnet, vor allem auf der "blauen Insel" Faial, mit grünen Wiesen, wie man sie noch nie gesehen hat, und anderen Dingen, die man in schlechten Reiseführern immer wieder liest. Ja, Blumen gab es, aber leider allesamt verblüht. Und verblühte Hortensien sehen nicht wirklich schön aus. So dörren tausende von Blüten vor sich hin, bis die traurigen Reste abfallen oder so zusammenschrumpeln, dass sie nicht mehr so auffallen. Tja, Blumen verblühen eben. Und wer Hortensien zu Hause hat, der weiß, dass sie keine Ganzjahresblüher sind. Ich war erstaunt, wie viele Reisende alles glauben, was in Reiseführern steht und das dann auch genauso auf ihrer Reise erleben wollen. Leute, das ist die Natur, und die lebt genauso wie wir!
Das Wetter war auf der ganzen Reise schön. Die Sonne schien, und so zeigten sich die Azoren von einer sehr freundlichen Seite. Landschaftlich bieten die Azoren einen einmaligen Anblick. Flache Hügel türmen sich immer wieder in der Ferne aufeinander, die Farbe der Wiesen ist vielleicht nicht viel anders als in Deutschland, zumindest zu dieser Jahreszeit, wo es meist trocken ist, aber die Hügel auf der einen Seite und das raue Meer auf der andern sind schon ein besonderer Anblick.

Der Atlantik ist wild und ungestüm, und so brandet er auch an die tief unter uns liegenden Klippen. Immer wieder verließen wir den Bus und konnten das Panorama genießen. Großartig. Während Sao Miguel und Faial eher "grüne" Inseln sind, hat Pico eine zum Teil von Vulkangestein überzogene Oberfläche. Die Azoren bieten herrlich unterschiedliche Landschaften, von sanften Hügeln über Vulkane, in deren Inneren ganze Orte entstanden sind oder Seen, die in verschiedenen Farben leuchten. Hier wird Wein angebaut und Bananen und sogar die einzige Teeplantage Europas gibt es hier. In Furnas auf Sao Miguel kann man heiße Quellen sehen, die dichten Dampf aufsteigen lassen und fauchen, als würden dort wilde Tiere im Inneren leben. Eine der eindrucksvollsten Erinnerungen habe ich an den Terra Nostra Garden Park, ebenfalls in Furnas. Der Park wurde 1780 von einem hiesigen Orangenplantagenbesitzer angebaut, der aus aller Welt Pflanzen importieren ließ, die noch heute hier wachsen. Überall kann man etwas Neues entdecken, jede Wegbiegung verändert den Park vollständig, und jede Ecke ist noch schöner als die zuvor gesehene. Es gibt hier einen Naturpool, dessen 31 Grad Celsius heißes Wasser von den heißen Schwefelquellen gespeist wird. Man kann darin baden, aber Vorsicht: Alles weiße wir leicht braun und auch nicht wieder weiß. Außerdem muss man den leichten Schwefelgeruch ertragen, aber as ist nicht schwer, da er nicht sehr durchdringend ist. Das Wasser ist ganz weich, ganz anders, als wir es gewöhnt sind. Ein Erlebnis, das man sich auf keinen Fall entgehen lassen sollte.

Ich kann zu einer Reise auf die Azoren nur zusammenfassend sagen: Nehmen Sie nicht alles, was in Reiseführern steht, für bare Münze, dann können Sie die Azoren auch richtig genießen. Die Azoreaner sind gastfreundlich und die Landschaft ist, umgeben vom Atlantik, ziemlich einmalig. Für Naturliebhaber ist eine Reise hierher etwas Wunderbares, und man sollte sie machen, solange die Azoren noch ein Geheimtipp sind und die Inseln noch nicht voll mit Bettenburgen und Pommesbuden, wie es in Ponta Delgada schon den Anfang macht. Mit Kiwi Tours habe ich sicherlich einen guten Griff gemacht, die Reise war, wenn auch kurz, so doch mit den wichtigsten Sehenswürdigkeiten ausgestattet, aber nicht zu vollgestopft. Man hatte auch noch Zeit für sich selbst die Inseln und ihre Bewohner zu entdecken. Die Hotels waren grundsätzlich in Ordnung, wenn auch ziemlich einfach. Der Service war allerdings überall hervorragend. Eine sehr schöne Reise.
Maik R.