Ein Reisebericht von Larissa Krayer:
Meine Reise begann in Windhoek, der Hauptstadt Namibias. Die Stadt selbst bietet nicht allzu viele Höhepunkte, ist aber der perfekte Ausgangspunkt, um sich für die kommenden Tage mit dem eigenen Mietwagen vorzubereiten und alles Nötige noch einzukaufen. Die wahre Magie Namibias begann für mich aber erst am nächsten Tag, als ich mich hinter das Steuer setzte und in Richtung Kalahari aufbrach. Die Entscheidung, als Selbstfahrer unterwegs zu sein, war definitiv richtig, denn so konnten wir jederzeit spontan anhalten und das Land in unserem eigenen Tempo genießen.

Die Kalahari war der erste Stopp unserer Reise. Dort erlebten wir eine schöne Pirschfahrt zum Sonnenuntergang, bei der eine Gnu-Herde direkt vor der untergehenden Sonne stand, während wir unsere Getränke und die spektakuläre Aussicht genossen.
Am nächsten Tag stand die lange Strecke zum Fish River Canyon bevor. Um die Fahrzeit etwas aufzulockern, legten wir einen Stopp bei den Köcherbäumen und am „Spielplatz der Riesen” bei Keetmanshoop ein. Hier spazierten wir ganz allein durch die beeindruckende Landschaft mit den skurrilen Köcherbäumen und den riesigen Steintürmen, die wie Legosteine aufeinandergestapelt sind. Anschließend ging es durch die karge Landschaft weiter zu unserer Lodge am Fish River Canyon, den wir am nächsten Tag besuchten. Der Canyon ist ein faszinierendes Naturwunder mit riesigen, schroffen Felsen, tiefen Schluchten und mehreren Ebenen, die sich bis zum Horizont erstrecken.
Mit Zwischenstopps bei der Naute Distillery, Aus und Garub fuhren wir schließlich nach Lüderitz an die Küste. Das Städtchen wirkt fast wie aus der Zeit gefallen. Zwischen alten Kolonialgebäuden, der frischen Meeresbrise und dem abendlichen Nebel wirkt Lüderitz wie eine Zeitreise in vergangene Tage. Doch die Umgebung von Lüderitz hat noch einen besonderen Ort zu bieten: Kolmannskuppe, eine verlassene Diamantenstadt, die nach und nach von der Wüste verschluckt wird. Früher war Kolmannskuppe ein Zentrum des Diamantenabbaus, und die Stadt war für die damalige Zeit ausgesprochen modern, mit Elektrizität, einem Krankenhaus, und sogar einer Kegelbahn und eigener Eisproduktion. Nach dem Rückgang des Diamantenabbaus jedoch verwaiste die Stadt und wurde von der Wüste zurückerobert. Heute kann man durch die verlassenen Gebäude streifen, in die sich Sanddünen durch Fenster und Türen drängen. Eine Führung ist sehr lohnenswert und liefert interessante Hintergrundinformationen, bevor man die Gebäude selbst erkunden kann. Anschließend fuhren wir noch zum Diaz Point, wo wir von den starken Meeresböen fast weggepustet wurden und die raue Küste bestaunten.
Die Fahrt von Lüderitz zum Sossusvlei war mit fast 500 km, die längste Strecke der Reise, die wir mit Stopps bei den Wüstenpferden von Garub und dem skurrilen Wüstenschloss von Duwisib etwas entzerrten. Der Besuch von Sossusvlei war definitiv eines der Highlights der Reise. Der Aufstieg auf die Düne 45 wurde mit spektakulären Ausblicken über die endlose Dünenlandschaft belohnt und die abgelegene Pfanne des Deadvleis eröffnete eine einzigartige Landschaft.
Von Sossusvlei ging die Reise weiter nach Swakopmund, einer Stadt, die auf den ersten Blick sehr vertraut vorkam, fast europäisch, mit ihren alten Kolonialgebäuden und dem Charme eines Küstenortes. Sehr beeindruckt hat mich die Tour zu Sandwich Harbour, einem einzigartigen Ort, an dem die Dünen direkt in den Ozean stürzen. Hohe Dünen und endlose Wüste auf der einen Seite und der Atlantik direkt daneben, während unser Fahrer uns gekonnt durch die Dünen manövrierte sorgten für ein unvergessliches Erlebnis.
Der nächste Abschnitt der Reise führte ins Damaraland, wo es sich anfühlte, als würde man in ein anderes Land eintauchen. Die Felsen von Twyfelfontein, die von den San gezeichneten Felsenbildern erzählen, sind uralt und zeugen von einer Geschichte, die weit zurückreicht. Auch der Brandberg mit den Felszeichnungen der „White Lady” und die versteinerten Bäume haben uns hier beeindruckt. In unserem Tented Camp hatten wir hier ein sehr spezielles Erlebnis. Nach dem ersten Regen seit langer Zeit, schwärmten in der Nacht Millionen Termiten aus um sich auf Paarungssuche zu begeben.

Der Etosha-Nationalpark war der Höhepunkt unserer Tierbeobachtungen. Es war nicht nur eine Safari, sondern ein unvergessliches Erlebnis, mit dem eigenen Mietwagen durch den riesigen Park zu fahren. Fast überall gab es Tiere zu sehen: Zebras, Giraffen, Elefanten, Nashörner und unzählige verschiedene Antilopenarten. Besonders beeindruckend war ein Wasserloch, an dem ich eine riesige Herde von Giraffen beobachtete.
Zum Abschluss der Reise fuhren wir zum Waterberg. Das Bergmassiv bietet nicht nur atemberaubende Ausblicke, sondern ist auch für seine Wildschutzprojekte bekannt. Unterwegs besuchten wir noch den Cheetah Conservation Fund, der sich um den Schutz und Erhalt der Geparden sorgt. Hier hatten wir die Gelegenheit diese großen Katzen bei der Fütterung zu beobachten. Am Waterberg nahmen wir an einem Rhino-Trekking teil, einer Wanderung, bei der wir mit einem Guide zu Fuß nach Spitzmaulnashörnern suchten. Es war ein besonderes Gefühl, als wir diese majestätischen Tiere plötzlich ganz nah vor uns sahen.

Nach all den Erlebnissen und Eindrücken fuhren wir schließlich wieder zurück nach Windhoek, wo wir noch eine Nacht in einer Lodge etwas außerhalb verbrachten, bevor es letztendlich zurück nach Hause ging.
Das Selbstfahren in Namibia war insgesamt eine sehr sichere und angenehme Erfahrung. Die Straßen, vor allem auch die Schotterstraßen, waren in gutem Zustand und boten fantastische Aussichten auf die Landschaft. Zwar brachten die langen Fahrstrecken einige Herausforderungen mit sich, doch durch regelmäßige Zwischenstopps – etwa bei den Köcherbäumen auf dem Weg von der Kalahari zum Fish River Canyon – blieb die Fahrt nie langweilig. Und wenn es ums Essen ging, war Namibia ein wahres Paradies für Fleischliebhaber. Die lokalen Spezialitäten, wie Zebra- und Oryx-Steaks, schmeckten köstlich. In Solitaire, einem kleinen Ort auf dem Weg nach Swakopmund, gönnte ich mir den berühmten Apfelkuchen, der ein Muss für jeden Besucher ist und in Lüderitz überraschte uns der Seafood-Reis beim Portugiesen, der besser schmeckte als eine Paella in Spanien.
Der Zeitraum Ende März, also im namibischen Spätsommer, war für uns ideal: Das Wetter war sehr gut, wir haben nur wenige Regentage erwischt und waren außerhalb der Hauptsaison unterwegs, sodass wir die Orte fast für uns allein hatten. Besonders im Süden waren wir bei vielen Stopps fast ganz allein und konnten die Orte in aller Ruhe erkunden.
Meine Reise durch Namibia hat mir gezeigt, wie vielseitig dieses Land ist. Es gibt so viele verschiedene Facetten, von der rauen Schönheit der Wüsten bis hin zu den beeindruckenden Tierbeobachtungen im Etosha-Nationalpark. Namibia ist ein Land, das auf jeder Strecke mit neuen Eindrücken überrascht und es auf seine eigene Weise zu einem unvergesslichen Abenteuer macht. Wer die Natur liebt, auf Safari gehen möchte oder einfach auf der Suche nach einem einzigartigen Reiseziel ist, sollte Namibia unbedingt auf seine Liste setzen!













